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Neues Deutschland vom 31.12.00Lehrerin Fröhlich aus der Haft entlassen Am Ende reichten die Stasiakten doch nicht zur Anklage
· Die Hannoveraner Lehrerin Christel Fröhlich sass auf Grund dubioser Stasiakten mehr als vier Jahren in Untersuchungshaft in Frankreich
Viel wird über die Stasiakten und die Frage ihrer Veröffentlichung diskutiert. Doch manchmal haben Aufzeichnungen der DDR-Organe gravierende Folgen. Die Hannoveraner Volkshochschullehrerin Christel Margot Fröhlich sass deswegen seit Herbst 1995 in Untersuchungshaft, zunächst in Rom und dann über vier Jahre in Paris. Jetzt wurde sie unter Auflagen freigelassen. Die französischen Justizbehörden wollen in Aufzeichnungen der Stasi über den ominösen Carlos Anhaltspunkte gefunden haben, dass Fröhlich in den 80er Jahren an Attentaten der Carlos-Gruppe beteiligt gewesen war. Die Lehrerin hat immer erklärt, dass sie sich in der damaligen Zeit der radikalen Linken zugerechnet hat, aber die Beschuldigungen kategorisch bestritten. Dabei bekam sie Schützenhilfe von ungewöhnlicher Seite. Die Bundesanwaltschaft (BAW) in Karlsruhe drückte ihr Unverständnis über die Maßnahmen der französischen Behörden aus. Nach Bekanntwerden der Stasiunterlagen Anfang der 90er Jahre leitete die BAW Ermittlungen gegen Fröhlich, die aber nach einigen Jahren wegen wieder eingestellt worden waren, weil kein hinreichender Tatverdacht nachgewiesen werden konnte. Das hinderte die französischen Behörden allerdings nicht daran selbst einen Haftbefehl auszustellen. Als Fröhlich einen Kurzurlaub in Rom machte, liess sie zugreifen. Als Beweise präsentierten sie die gleichen Stasipapiere, die die BAW erst verworfen hatte. Selbst die konservative Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) äußerte Zweifel an der Stichhaltigkeit der Anklage. "Hat man gar nicht mehr gegen Frau Fröhlich in der Hand als bisher bekannt ist, und braucht sie nur, um den eisern schweigenden Carlos überführen zu können" orakelte das konservative Blatt 1996 über die Bestrebungen der französischen Behörden. Fröhlich verweigerte die Aussagen und war nicht bereit die Kronzeugin zu spielen. Die Vorwürfe gegen Fröhlich seien"unbelegte Behauptungen, falsche Schlußfolgerungen und Unterstellungen" heißt es in einem Aufruf den ein in Hannover ansässiges "Solidaritätsgruppe zu Christel Fröhlich" verfaßt hat. Dort wird ihre bedingungslose Freilassung gefordert. Das Fröhlich nun den Milleniumsbeginn in Freiheit verbringen kann, verdankt sie einem neuen Gesetz, dass im Januar in Frankreich in Kraft tritt. Danach darf die Untersuchungshaft 4 Jahre nicht überschreiten, ein Zeitlimit der bei Christel Fröhlich längst überschritten ist. Doch ob sich Fröhlich ihrer neuen Freiheit lange erfreuen kann, ist noch gar nicht gewiß. Zur Zeit darf sie Paris nicht verlassen und mich jeden Tag bei der Polizei melden. Sogar eine erneute Verhaftung von Christel Fröhlich ist nicht ausgeschlossen. "Der Richter kann anführen, dass neue Verdachtsmomente gefunden wurden. Dann beginnt die Untersuchungshaft von vorn" meint Klaus Richards von der Solidaritätsgruppe gegenüber ND.
Peter Nowak |