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Frankfurter Rundschau vom 3.1.01Umweltarbeit gegen die Worthülse Ökologie
Auch Gentechnologie und Stadtentwicklung gehörten zu den Schwerpunktthemen auf dem 8. Jugendumweltkongress
Von Peter Nowak (Nürnberg)
Die poppig-bunten Plakate ließen eher eine Einladung zur nächsten Disco vermuten als einen Umwelt-Event. Doch das Plakat warb für den achten Jugendumweltkongress (Jukss), zu dem sich etwa 500 überwiegend junge Menschen vom 27. Dezember an eine Woche lang in einer Schule in der Nürnberger Innenstadt trafen.
Wer dort Massen von strickenden "Umweltfreaks" in Wollpullovern und Birkenstocksandalen erwartet hätte, wäre enttäuscht worden. Auf dem Kongress waren Raver und HipHopper zumindest vom Outfit her in der Mehrzahl. Die Computerecke mit den Internetanschlüssen war immer umlagert, und zum Jahreswechsel wurde auch von den Umweltbewegten mancher Böller verschossen - was allerdings nicht bei allen Kongressbeteiligten auf Zustimmung stieß.
Nein, mit den Öko-Klischees der 70er und 80er Jahre wollte die Jugendumweltbewegung von Anfang an wenig zu tun haben. Entstanden ist sie Anfang der 90er Jahre im Gefolge des UN-Umweltgipfels in Rio de Janeiro im Jahre 1992. Die jungen Männer und Frauen der ersten Stunde wollten ein praktisches Handeln für den Umweltschutz vor Ort mit visionären Zukunftsentwürfen verbinden. Ein Spagat, der im Laufe von 8 Jahren zu manchen Krisen geführt hat.
"Die einstige Jugendumweltbewegung, die das Ökologie-Thema mit gesellschaftlichen Alternativen und widerspenstiger Politik verkoppelte, hat sich in den letzten Jahren stark differenziert", meint die Jukss-Pressesprecherin Susann Helbig. "Schließlich ist Ökologie mittlerweile zur Worthülse geworden, die von der CDU, dem Umweltbundesamt, aber auch von rechtsextremen Gruppierungen gleichermaßen verwendet wird."
Auch der Regierungsantritt von Rot-Grün sorgte bei der Basis der Jugendumweltbewegung durchaus nicht nur für Freude. "Viele hatten sich von dieser Regierung im Umweltbereich mehr erhofft" meinte Helbig. "Auf Kompromisse einzugehen kann das Leben sicher leichter machen und ist oft nötig. Doch wenn es derart faule Kompromisse sind wie ein löchriger Klimaschutzvertrag oder eine Ökosteuer, die hauptsächlich aus Ausnahmen für besonders üble Umweltverschmutzer besteht, können wir uns nicht damit abfinden", hieß es im diesjährigen Jukss-Programm. Auch dieses Jahr scheuten die jungen Umweltschützer nicht die Auseinandersetzung mit kontroversen Themen. Zu den Schwerpunkveranstaltungen des Kongresses gehörte die Auseinandersetzung mit der Gentechnik, der Stadtplanung und dem Umgang mit dem Rohstoff Wasser. Schließlich reichte das Spektrum der Jukss-Besucher vom "Nistkästenbauer bis zum Fulltime-Politaktivisten", meinte Susann Helbig. Der nächste Jugendumweltkongress wird Ende Dezember 2001 in Dresden stattfinden. |