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junge Welt26.02.2001 Zelten in Berlin-Mitte Flüchtlinge machen mobil gegen Residenzpflicht _________________________________________________________________
»Jeder Mensch hat das Recht auf Freizügigkeit und freie Wahl des Wohnsitzes innerhalb eines Staates«, heißt es in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Näheres regelt das deutsche Ausländerrecht. »Die Aufenthaltsgestattung ist räumlich auf den Bezirk der Ausländerbehörde beschränkt, in dem die für die Aufnahme des Ausländers zuständige Aufnahmeeinrichtung liegt«, heißt es in Paragraph 56 Asylverfahrensgesetz. »Dieses Gesetz respektiert nicht das persönliche Recht auf Freiheit und Menschenwürde, wie es eindeutig von der universellen Menschenrechtserklärung vorgeschrieben ist«, meint Benson Jerry vom Africa-Forum der Migranteninitiative »The Voice« aus Jena. Sie gehört zu den Initiatoren von bundesweiten Protesten gegen »institutionellen Rassismus«, wie die Residenzpflicht auch bezeichnet wird.
Gegen diese Residenzpflicht wollen Flüchtlingsgruppen vom 17. bis 19. Mai in Berlin mit Aktionen und einer Demonstration protestieren. »Es hat sich gezeigt, daß für die Aktionen noch Unterstützung und Geldspenden nötig sind«, meinte eine Organisatorin auf einem Vorbereitungstreffen am Sonnabend im Berliner Mehringhof. Gesucht wird ein Zeltplatz im Stadtzentrum, wo die mehr als 1 500 erwarteten Flüchtlinge aus ganz Deutschland übernachten können.
Ziel des Protestes ist auch die Information der Bevölkerung, die über die Folgen der Residenzpflicht kaum etwas weiß. Die Flüchtlinge gehen mit ihrer Aktion ein Risiko ein, weil sie das Residenzpflichtgesetz, gegen das sie protestieren, mit ihrer Aktion verletzen. »Das ist für uns auch ein Akt des zivilen Ungehorsams«, meinte ein Flüchtling. In der Vergangenheit gab es mehrere Bußgeldbescheide gegen Flüchtlinge, die ihren Landkreis verlassen haben, um an politischen Aktionen gegen Neonazis und Rassismus teilzunehmen.
Neben den zentralen Aktionstagen im Mai wird es regionale Flüchtlingsproteste gegen die Residenzplicht geben. Am kommenden Sonnabend beginnt um 14 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz von Rathenow eine von der örtlichen Flüchtlingsinitiative organisierte Demonstration für Bewegungsfreiheit. In der brandenburgischen Kleinstadt bekommen viele Flüchtlinge die Auswirkungen der Residenzpflicht besonders drastisch zu spüren. So darf eine in der Vergangenheit mehrmals von Neonazis angegriffene afghanische Flüchtlingsfamilie den Ort nicht verlassen und ist so weiterhin dem rechten Terror ausgesetzt.
Peter Nowak |