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ND 17.05.02 »Wer Sympathie mit Israel hat, muss das Land vor Scharon retten« Menschenrechtsaktivistin Felicitas Langer auf Einladung der PDS in Berlin
Von Peter Nowak
Die Haltung im Nahost-Konflikt scheint mittlerweile in der deutschen Linke zur Gretchenfrage zu werden. Am letzten Wochenende wurde auf einem Kongress in Berlin sogar eine Spendenkampagne für die israelische Armee diskutiert. Dabei ging es natürlich eher um deutsche Befindlichkeiten. Am Mittwoch abend war nun die israelische Menschenrechtlerin Felicitas Langer in Berlin. Wohin geht Israel? Über diese bange Frage sprach Felicitas Langer - nach den Worten von Bundestags-Vizepräsidentin Petra Bläss eine Stimme des anderen Israel - auf Einladung der PDS-Bundestagsfraktion in der Berliner Friedrichstadtkirche. Gekommen war auch Mieciu Langer - der Überlebende von fünf deutschen Konzentrationslagern unterstützt die politische Arbeit seiner Ehefrau seit Jahrzehnten. Mehr als 20 Jahre lang hat die in Polen geborene Langer als Anwältin Palästinenser juristisch verteidigt. Für ihr Engagement wurde ihr 1990 der Alternative Nobelpreis verliehen. Damals hatte sie aus Verzweiflung über die israelische Politik das Land schon verlassen und war nach Deutschland übergesiedelt. Über ihre Erfahrungen in den unterschiedlichen Ländern hat Langer mehrere Bücher geschrieben. »Quo vadis Israel«, das Motto der Veranstaltung vom Mittwoch, ist auch der Titel ihres jüngsten Buches. Viel Optimistisches hat Langer nicht zu vermelden. »Ich sehe mich wie eine Kassandra, die all die furchtbaren Entwicklungen hat kommen sehen, die jetzt im Nahen Osten eingetreten sind.« Felicitas Langer, die sich gleich zu Beginn deutlich von den Selbstmordanschlägen gegen israelische Zivilisten distanzierte, sieht die Ursachen dieser Entwicklung in der israelischen Besatzungspolitik und der damit verbundenen Demütigung der palästinensischen Bevölkerung. Der Widerstand dagegen sei vom Völkerrecht gedeckt, erklärt die Juristin. Besonders fatal sei die Enttäuschung in breiten Kreisen der palästinensischen Bevölkerung über den Verlauf des Friedensprozess gewesen. Der Siedlungsbau sei gerade im letzten Jahrzehnt enorm ausgeweitet worden. Während 1991 etwa 90000 israelische Siedler auf palästinensischen Territorium lebten, waren es im Jahr 2000 schon über 200000. Langer sieht in der israelischen Bevölkerung noch immer eine verdeckte Mehrheit für die Räumung der besetzten Gebiete und den Abbau der Siedlungen. Allerdings habe die Legende vom Friedensengel Barak, der an der harten Haltung von Arafat gescheitert sei, auch unter friedenswilligen israelischen Kreisen für Verwirrung gesorgt. Dabei wären nach dem Plan des früheren Ministerpräsidenten Ehud Barak 80 Prozent der Siedlungen geblieben, so Langer. »Der Palästinenser, der diesen Plan akzeptiert, muss noch geboren werden«, fügte sie hinzu. Langer betonte, dass der Antrieb für ihr Engagement auch Sorge um die Zukunft Israels ist. »Wer Sympathie mit Israel hat, muss das Land vor Scharon retten«, lautet ihre unmissverständliche Forderung. |