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Neues Deutschland vom 21.09.02Affäre um linkes Webportal Springer-Presse: Projekt soll Preis zurückgeben
Von Peter Nowak
Zum Schluss des Wahlkampfes geht es noch einmal hoch her. Indymedia, das Internetportal der undogmatischen Linken, ist dabei in die Schusslinie geraten.
Dem deutschen Zweig, des in mehr als 60 Ländern aktiven Netzwerks wurde schon am 28. August von der Bundeszentrale für politische Bildung der »poldi Award«, eine Auszeichnung für praktizierende Demokratie verliehen. Die Preisverleihung löste erst Schlagzeilen aus, als die angeschlagene konservative Opposition neue Wahlkampfmunition witterte. »Diese Auszeichnung muss schleunigst wieder einkassiert werden«, forderte der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU Wolfgang Bosbach. Er sieht bei Indymedia hauptsächlich Linksextremisten am Werk. »Es ist unerträglich, dass der selbe Staat, der vor diesem Internetportal wegen des verfassungsfeindlichen Inhalts warnt, diesem Portal einen Internet-Preis verleihen lässt.« Munitioniert wurde Bosbach durch das Flaggschiff des Springerkonzerns »Die Welt«. »Affäre um linksextreme Website weitet sich aus«, leitetartikelte das Blatt am 14. September. Dort wurde auch das von der Bundeszentrale für politische Bildung herausgebende Jugendmagazin »fluter« wegen seiner Berichterstattung über Indymedia angegriffen. »Die massive Werbung für gewaltbereite Autonome, linksextreme Gewalttäter und linksradikale Organisationen auf der deutschen Seite wird jedoch nicht thematisiert. Statt dessen wird >indymedia.de< als Medium bezeichnet, Verlagen oder Sendern tatsächlich möglich ist<«. Eingeschossen hat sich das Springerblatt hauptsächlich auf den Leiter der Bundeszentrale für Politische Bildung Thomas Krüger (SPD), der bei der Preisverleihung an Indymedia auch die Laudatio gehalten hat. Zu guter Letzt ist dann noch Hamburgs Innensenator Schill, Chef der gleichnamigen rechtspopulistischen Partei, auf den Zug aufgesprungen. In einer Presseerklärung greift er die Bundesregierung an. »Indirekte Unterstützung einer verfassungsfeindlichen Internetseite durch das Bundesinnenministerium: Staatssekretärin im Innenministerium Zypries in zweifelhafter Rolle«, lautet der plakative Titel. Steuergelder würden für linksextremistische Agitation und staatsfeindliche Hetze ausgegeben, so Schill. Zu den Inhalten von Indymedia fällt Schill ein: »Von RAF bis Antifa ist die gesamte Palette linksfaschistoider Verwirrung mit ihrer Hasspropaganda vertreten.« Wenn man die Presseerklärung der Schill-Partei genau liest, muss bezweifelt werden, ob dort je ein Blick auf Indymedia geworfen wurde. Dort wird von »Indymedia.com« gesprochen. Das aber wird man in keiner Suchmaschine finden. Die korrekte Bezeichnung lautet indymedia.de. |