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ND vom 25.7.03Macht und Last Der deutsche Sonderweg vor 1933 und nach 1989
Von Peter Nowak
Auch nach dem Ende des Irakkrieges sind die Beziehungen zwischen den USA und Deutschland verkrampft. Jeder gegenseitige Politikerbesuch führt zu neuen Spekulationen und Gerüchten. Wer allerdings auf eine tiefergehende Analyse der deutsch-amerikanischen Beziehungen Wert legt, sollte lieber zu dem Buch greifen, dass Jürgen Elsässer unter dem Titel »Deutscher Sonderweg« kürzlich veröffentlichte. In den ersten Kapiteln beschäftigt er sich mit der Diskussion in der Historiografie, welche spezifischen Bedingungen in Deutschland für die Auslösung von zwei Weltkriegen, den Nationalsozialismus und die fabrikmäßige Ermordung der Juden verantwortlich waren. Er stellt Sonderweg-Theorien liberaler, sozialdemokratischer und kommunistischer Provenienz vor und kommt zu dem Fazit, dass der Verzicht auf Ökonomiekritik die Verantwortung des Kapitalismus für den Faschismus vertuscht. Mit fatalen Konsequenzen für Gegenwart und Zukunft: Nach Meinung Elsässers hat nach 1989 ein neuer deutscher Sonderweg begonnen, »ganz ohne feudalen Mummenschanz und Germanenkult, wohl aber mit Unterstützung der USA«. Damit ist der Autor bei seinem eigentlichen Thema. Er zeigt auf, wie Deutschland seit 1989 Machtpolitik betreibt. Ein Schwerpunkt ist die Zerstörung Jugoslawiens, wo Deutschland zunächst im Alleingang vorgeprescht war. Erst später kam Unterstützung aus Übersee. »Nun verfolgten Deutsche und Amerikaner den Sonderweg gemeinsam: gegen die UN, aber auch gegen die eigenen Verbündeten Frankreich und Großbritannien.« Schon während des Kosovokrieges wurden die ersten Risse im deutsch-amerikanischen Bündnis sichtbar, die sich zu einer handfesten Beziehungskrise auswachsen sollten. Was nicht heißt, dass beide Staaten jetzt getrennte Wege gehen. Jenseits aller tagespolitischen Rhetorik stellt Elsässer fest: »Beim Stand der Dinge ist Deutschland von den USA abhängig. Die Amerikaner sorgen dafür, dass die Deutschen ihre Exporte verkaufen können, und sie verhindern mit überlegener Militärmacht das Wegdriften aufstrebender Tigerstaaten an der Peripherie.« Deshalb hält der Autor eine Wiederbelebung der Freundschaft für wahrscheinlich. Jüngste Ereignisse scheinen seine Prognose zu bestätigen. Denkbar für ihn ist auch die Achse Paris-Berlin-Moskau, die auch kein Friedensbündnis wäre, sondern ebenfalls imperialistische Interessen verfolge. Elsässer ist Realist genug, um zu wissen, dass zur Verwirklichung der Utopie vom ewigen Frieden ein Bruch mit der kapitalistischen Wirtschaftsordnung notwendig ist. Sein Buch sei allen empfohlen, die nach dem Protestfrühling gegen den Irakkrieg nicht auf die nächsten Kriege mit oder ohne deutsche Beteiligung warten wollen.
Jürgen Elsässer: Der deutsche Sonderweg. Historische Last und politische Herausforderung. Hugendubel, München 2003. 264S., br., 19,95 EUR. |