|
ND 16.04.04StreitfrageAntiamerikanismus?
Von Peter Nowak Seit einigen Jahren hat die zersplitterte Linke in Deutschland ein neues Reizthema, an dem sie sich hoffnungslos zerstritten hat: Wie hältst Du es mit den USA? Wie tief die Kluft ist, wird deutlich, wenn man zwei Bücher zur Hand nimmt, die unlängst in linken Verlagen erschienen sind und die beiden sich gegenüberstehenden Pole in der Streitfrage bestens reflektieren. Da gibt es die bekennenden Antiamerikaner, für die der »junge Welt«-Kommentator Werner Pirker und der Aktivist der Antiimperialistischen Koordination aus Wien Wilhelm Langthaler gleich zwölf Argumente aufgeschrieben haben. Sie listen fast alles auf, was jeder Michael Moore-Fan schon lustiger aus »Bowling for Columbian« erfahren haben dürfte: Die USA vergiften die Umwelt, vollstrecken die Todesstrafe sogar an Minderjährigen, haben eine lukrative Gefängnisindustrie aufgebaut und hebeln die Bürgerrechte aus. Warum all dies ausreichende Gründe für Anitamerikanismus - statt für eine antikapitalistische Einstellung - sein sollen, wird nicht klar. Das Autoren-Duo verzichtet auf jegliche materialistische Analyse und behauptet pauschal, dass Europa sich im Würgegriff der USA befinde. Die berechtigte Kritik an den USA droht in ein Ressentiment umzuschlagen. Nicht so recht einleuchtend ist, warum ein Kapitel über »Die Abwicklung der Sowjetunion« aufgenommen ist. Dieses ist allerdings sehr informativ, kenntnisreich verfasst von Pirker, der u.a. zur Auflösung der UdSSR konzediert: »Die Verratsthese oder die These einer ausländischen Verschwörung greifen zu kurz.« Während Pirker und Langthaler auf linken Antiamerikanismus setzen, denunzieren die 14 Autoren von Ca-ira jede Kritik an den USA als »Aufstand der Alten Welt« und »Angriff auf Israel«. Auch wenn man deren Meinung nicht teilt, muss man bescheinigen, dass sie größtenteils auf einem hohen theoretischen Niveau argumentieren. Man merkt, dass sie ihren Marx und Lenin sehr wohl gelesen haben. Unangenehm fällt aber deren strikte antideutsche Haltung auf. In ihrem Buch sind auch Beiträge aus dem Umfeld der Neokonservativen in den USA dokumentiert, die einen guten Einblick in deren Denken geben. Es stellt sich dem Leser aber die Frage, ob sich an diesen die hier versammelten (anti)deutschen Autoren nicht gar ein Beispiel nehmen. Die Befürchtung ist nicht grundlos. Schließlich fungierten die Herausgeber Uwer und von der Osten-Sacken im letzten Jahr auch als Mitverfasser eines Memorandums, in denen die Chancen einer deutschen Politik, die in der Irakfrage die Partei der USA und Großbritanniens ergreife, beschworen worden sind.
Wilhelm Langthaler/Werner Pirker: Ami go home - Zwölf gute Gründe für einen Antiamerikanismus. Promedia Verlag, Wien 2003. 260S., geb., 11,90 EUR. Thomas Uwer/ Thomas von der Osten-Sacken/Andrea Woeldike (Hg.): Amerika - Der »War on Terror« und der Aufstand der Alten Welt, Ca ira-Verlag, Freiburg 2003. 320S., geb., 17,50 EUR. |