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Telepolis vom 21.3.2004Weltweit Kundgebungen gegen den Irak-Krieg
Peter Nowak
In Deutschland blieb die Beteiligung an den Antikriegsdemonstrationen zum Jahrestag des Irakkrieges gering Ausgerechnet Noam Chomsky, der große alte Mann der US-amerikanischen Antikriegsbewegung war skeptisch, ob zum Jahrestag des Angriffs auf dem Irak noch einmal Massen auf die Straße gehen werden. "Man kann halt nicht mehr dagegen protestieren, einen Krieg im Irak zu beginnen. Das ist bereits passiert", sagte Chomsky in einem Interview [1]. Das haben sich in Deutschland wahrscheinlich auch viele Leute gedacht, die noch im letzten Jahr gegen den Irakkrieg auf der Straße gewesen. Am vergangenen Samstag waren in verschiedenen deutschen Städten und vor einer Raketen-Airbase Ramstein in Rheinland-Pfalz gerade mal einige Tausend Leute auf der Straße. In den Ländern hingegen, in denen sich die Regierungen im Bündnis mit der USA am Krieg gegen den Irak beteiligt hatte, war der Andrang auf den Straßen und Plätzen wesentlich größer. Demonstrationen mit Hunderttausenden von Teilnehmern gab es in Großbritannien und Italien, wo die Regierungen auch weiterhin unbeirrt auf Pro-USA-Kurs sind. In London hatten Greenpeace-Aktivisten für mehrere Stunden dem berühmten Big Ben zur Kulisse ihrer Proteste gemacht. Auch in Spanien war die Beteiligung an den Antikriegsaktionen mit zu 200.000 groß. Das war gleichzeitig als Rückenwind und Herausforderung an den designierten spanischen Ministerpräsidenten Zapatero gedacht, der die Wahlen mit dem Versprechen gewann, die spanischen Truppen aus dem Irak heimzuholen ( Bush verlor am Ebro [3]). Die hohe Beteiligung zeigt ihm allerdings auch, dass er dieses Versprechen nicht so schnell wieder relativieren kann. Zapatero steht zur Zeit unter großem außenpolitischen Druck [4] von den USA und ihren Verbündeten. Sie werfen ihm vor, dass ein Rückzug Spaniens wie eine Belohnung des Terrorismus wirken könnte. Schließlich haben die Attentate vom 11.September in Madrid und die nachfolgende verheerende Informationspolitik der Konservativen zu Zapateros Wahlsieg beigetragen. Der hat diese Vorwürfe immer mit dem Hinweis gekontert, dass er schon lange den Rückzug der Truppen gefordert habe. Dass Deutschland kaum Demonstranten auf die Straßen gingen, hat sicher viele Gründe. Die deutsche Regierung zählte nicht zur Koalition der Willigen, andererseits ist der Friedensbonus, mit dem die Schröder-Regierung im Jahr 2004 ihre Wiederwahl bewältigte, in der Öffentlichkeit ziemlich verbraucht. Die Zukunft des Sozialstaates beschäftigt zur Zeit den Großteil der Menschen mehr. Andererseits zeigt sich auch, wie schmal der gemeinsame Nenner war, der im letzten Jahr die Friedensbewegten zusammen gehalten hat. Es ging eben nur gegen einen Krieg der USA im Irak. Die politischen Interessen Deutschlands blieben weitgehend ausgespart. Kaum beachtet wurde etwa die Einweihung der Bundesakademie für Sicherheitspolitik [5] im Nordosten Berlins am 19. März. Sie wird in Zukunft eine Art Denkfabrik der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. In seiner Eröffnungsrede bekräftigte Bundeskanzler Schröder den Anspruch Deutschlands auf einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat.
Links
[1] http://www.taz.de/pt/2004/03/20/a0162.nf/text [2] http://italy.indymedia.org/news/2004/03/505410.php [3] http://www.heise.de/tp/deutsch/special/irak/16967/1.html [4] http://www.nzz.ch/2004/03/19/al/page-article9HD75.html [5] http://www.baks.com/ |