|
Blick nach Rechts 15/2004 Wehrsportgruppen-Führer Im Mordprozess offenbart der Angeklagte seinen rechtsextremen Hintergrund. Der Dreifach-Mord in einer Rechtsanwaltskanzlei in Overath bei Köln löste Entsetzen aus. Der Rechtsanwalt Hartmut Nickel (61), seine Ehefrau Mechthild (53) und die älteste Tochter Alja (26) waren aus unmittelbarer Nähe erschossen worden. Jetzt stehen der geständige Täter Thomas Adolf und seine mitangeklagte Freundin Jennifer D. vor Gericht und wieder ist das Entsetzen groß. Thomas Adolf bekennt sich zu der Tat und stellt sie in Kontext zu seiner rechtsextremen Gesinnung. Der ehemalige Aktivist der Deutschen Liga für Volk und Heimat hat offenbar gezielt Jugendliche angesprochen und sie bei Wehrsportübungen mit neonazistischem Gedankengut infiltriert. In alten Bunkern übten sie den Häuserkampf, erstellten Todeslisten und dachten über Anschläge auf jüdische Einrichtungen nach. Auch wie man Menschen fesselt und wie man möglichst unbemerkt in fremde Wohnungen eindringt, sei dort geübt worden. Das alles sagte ein ehemaliger Kumpan Adolfs als Zeuge vor Gericht aus. "39. SS-Divsion Götterdämmerung" sollte die Wehrsportgruppe heißen und Adolf war ihr Anführer. Das es zumindest ihm Ernst damit war, zeigte er im Haus der Opfer. Mit den Worten "SS - legen sie sich auf den Boden oder ich erschieß sie", hat er die Frau des Rechtsanwalts Nickel angeredet, bevor er sie aus nächster Nähe erschoss. Adolf erklärte dem Gericht auch, dass er während der Tat SS-Runen am Kragen getragen hat. Sein Vorgehen habe "Vorbildfunktion innerhalb der deutschen Rechten", erklärt Adolf. Schließlich gebe es in der rechten Szene viele Gruppen, die so aufgebaut waren wie seine Wehrsportgruppe. Dass es sich um mehr als leere Worte handelte, zeigte auch ein kürzlich in der Schweizer "Sonntagszeitung" erschienener Bericht. Danach soll ein 25-jähriger Offizier aus der Schweiz Ausbilder und Waffenlieferant einer solchen Wehrsportgruppe gewesen sein. Ihm drohe nun ein Verfahren wegen Unterstützung einer kriminellen Vereinigung in Deutschland, schreibt das Züricher Blatt. Doch die Staatsanwaltschaft scheint den Angeklagten noch immer eher für einen gefährlichen Spinner als für einen gefährlichen Neonazi zu halten. Nicht nur die Korrespondentin der "Frankfurter Rundschau" fragt sich, warum das politische Umfeld des Angeklagten nicht ausgeleuchtet werde und der rechtsextreme Hintergrund der Mordtat in dem Verfahren keine Rolle spiele. Peter Nowak |