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ND 17.08.04Gipfeldemonstration mit Langzeitfolgen 19 Mexikaner seit Ende Mai inhaftiert
Von Peter Nowak Der dritte Gipfel zwischen der Europäischen Union (EU) und Lateinamerika im mexikanischen Guadalajara ist längst vorbei. Nicht jedoch für 19 mexikanische Demonstranten, die seit Ende Mai im Gefängnis sitzen. Was haben Genua, Göteborg und Guadalajara gemeinsam? Beide stehen für staatliche Repression gegen globalisierungskritische Proteste. Doch während für die Festgenommenen und Angeklagten nach den Protesten gegen den EU-Gipfel in Göteborg und den G8-Gipfel in Genua im Jahre 2001 europaweit. Solidaritätsaktionen laufen, werden die Ereignisse rund um den EU-Lateinamerikagipfel im mexikanischen Guadalajara hier zu Lande erst allmählich bekannt. Kürzlich gab es vor mehreren mexikanischen Botschaften, darunter auch in Berlin, erste koordinierte Protestaktionen gegen die »willkürlichen Festnahmen« und die bis heute andauernde Repression gegen Globalisierungskritiker. Die Hauptforderung war die Freilassung von den 19 mexikanischen Demonstranten, die seit dem 28.Mai 2004 inhaftiert sind. An diesem Tag fand die zentrale Protestaktion gegen den 3. Gipfel der Europäischen Union (EU), Lateinamerikas und der Karibik in Guadalajara statt. Staatschefs und Regierungsvertreter aus 58. Ländern hatten daran teilgenommen. Parallel zum offiziellen Gipfel wurde von Nichtregierungsorganisationen (NRO) und sozialen Bewegungen auf einem Alternativforum die Folgen der ökonomischen Integration beider Regionen kritisch analysiert und Alternativen ausgearbeitet. Im Mittelpunkt der Kritiker stand das von den USA favorisierte Konzept einer Gesamtamerikanischen Freihandelszone (FTAA). Die Verhandlungen sollen bis 2005 abgeschlossen sein. Das erhöht auch auf die Länder der Europäischen Gemeinschaft den Druck, sich auf dem lateinamerikanischen Markt zu etablieren. Viele lateinamerikanischen Regierungen sehen diese Bemühungen als willkommene Konkurrenz zu den Plänen der USA. Die sozialen Bewegungen dieser Länder hingegen sehen in der Politik von USA und EU wenig Unterschiede. Beide versuchen nach dem Scheitern der Tagung der Welthandelsorganisation im letzten September in Cancún verstärkt, mit binationalen Handelsabkommen ihre wirtschaftlichen Interessen durchzusetzen. Daher war der Gipfel auch von zahlreichen Protestaktionen begleitet, die die mexikanische Polizei von Anfang an unterbinden wollte. Höhepunkt der Repression war die Auflösung der zentralen Abschlussdemonstration am 28.Mai. Im Anschluss machte die Polizei nach Augenzeugenberichten eine regelrechte Jagd auf die Protestierenden. Über 100 Personen wurden festgenommen. Darunter waren auch einige Europäer, die später abgeschoben wurden. Sie berichteten später von Schikanen und Misshandlungen auf den Polizeirevieren von Guadalajara, die stark an ähnliche Vorfälle im Juli 2001 in Genua erinnern. Die Inhaftierten seien tagelang völlig von der Außenwelt abgeschnitten gewesen. Mehr als 48 Stunden sei ihnen Essen und Trinken verweigert. Auch an Schlaf sei anfangs nicht zu denken gewesen. Immer wenn eine Person, auf dem Gefängnisboden einschlief, sei sie durch Tritte unsanft geweckt worden. Dieses Vorgehen fand die Unterstützung der politisch Verantwortlichen. So rühmte sich Francisco Ramírez Acuña, der zuständige Gouverneur des mexikanischen Bundesstaates Xalisco, mit »harter Hand gegen die Verhafteten« vorgegangen zu sein. Die Solidaritätsorganisation BASTA aus Münster will auch in Zukunft mit Protestbriefen und anderen Aktionen auf das Schicksal der noch 19 noch immer inhaftierten mexikanischen Globalisierungskritikern und der mehr als 40 Aktivisten, die wegen der Proteste mit Anklagen zu rechnen haben, aufmerksam machen.
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