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Telepolis vom 9.4.2004Jihad-Rap Peter Nowak
Neue Geheimwaffe der Islamisten? Schon die Eingangsszene [1] ist martialisch. Ein mit einem Palästinensertuch vermummter Mann in Militärklamotten sitzt vor einer irakischen Fahne. In der einen Hand hält er den Koran, in der anderen eine Pistole. Mit hartem Akzent ruft er zur Solidarität mit dem arabischen Widerstand auf. Das ist der Beginn eines Videos [2], das schon als al-Qaidas neueste Geheimwaffe bezeichnet und auch im Internet heftig diskutiert [3] wird. Es zeigt einen jungen britischen Muslim, der den Song "Dirty Kuffar" vorträgt. Nach den einleitenden Szenen wiederholen sich die im Rapstil vorgetragenen Aufrufe zum Krieg gegen die "Kreuzzügler". Kriegsszenen aus Tschetschenien werden gezeigt. In rascher Folge kommen Spitzenpolitiker aus den USA und Israels ins Bild, deren Gesichtszüge zu Schweinsköpfen verzerrt werden. Aber auch die "Apostaten" genannten Abweichler in den arabischen Ländern werden vorgeführt. Das Bild des saudischen Herrschers ist ebenso zu sehen, wie des libyschen Regenten Muhammed el Gaddafi, der kürzlich seiner einstigen panarabischen Rhetorik abgeschworen und mit den Westen Frieden geschlossen hat. Immer wieder sind in dem Video martialisch aussehende Hisbollah-, Jihad- und Hamasverbände zu sehen, aber auch die Konterfeis des gefangenen Saddam Hussein und Bin Ladens werden gezeigt. Am Ende stürzen die Flugzeuge in die Twin Towers, was mit einem tiefen Gelächter kommentiert wird. Im Abspann werden die Länder aufgezählt, in denen die USA nach dem 2.Weltkrieg interveniert hatte. Er könnte einen beliebigen Video von Globalisierungskritikern entnommen sein. Denn dort sind nicht nur militärische Eingriffe in Länder der arabischen Welt aufgeführt, sondern auch die in Chile, Kuba, Guatemala, El Salvador und zahlreiche andere Länder, in denen die USA direkt oder indirekt gegen linke Bewegungen oder Regierungen intervenierte. Das Video erfreut sich in Großbritannien und Frankreich vor allem unter Jugendlichen der dort sehr starken arabischen Gemeinden großer Beliebtheit. "Ich kenne keinen jungen Moslem, der das Video nicht gesehen hätte. Jeder in der Moschee fragt danach", wird in der Zeit ein Islamist zitiert [4]. Auch in Deutschland zirkuliert es seit einigen Wochen unter Jugendlichen, die es auch aus dem Internet herunterladen [5] können. Nach Recherchen von Burkhard Schröder [6] wurde das Video zuerst auf der Website des von einen Islamisten geleiteten Committee for the Defence of Legitimate Rights [7] mit Sitz in London veröffentlicht. Mittlerweile hat die popkulturelle Vermarktung des Islamismus im Internet einen festen Platz. So präsentiert sich eine australische Punkrockband mit provozierenden Songs unter dem Titel Jihad against America [8].
Links
[1] http://webart.graceland.ca/dirtykuffar [2] http://www.ratatak.com/modules/mydownloads/singlefile.php?lid=14 [3] http://forum.chronwatch.com/forum/viewtopic.php?t=3526 [4] http://blogg.zeit.de/bittner/index.php?day=09&month=2&year=2004 [5] http://www.rurnt.com/brian/archives/politics/000132.html [6] http://www.burks.de/forum/phpBB2/viewtopic.php?p=13135 [7] http://www.cdlr.net/ [8] http://www.jihadagainstamerica.com/ |