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ND 08.10.04Von der Basis her Die andere Seite der Hartz-Proteste: Selbstorganisierung der Erwerbslosen
Von Peter Nowak Die Montagsdemonstrationen flauen ab, die Proteste gegen die Arbeitsmarktreformen stehen vor dem Aus. So die derzeit häufig verbreitete öffentliche Meinung. Für die Gruppe »Organisierte Autonomie« aus Nürnberg gehen die Proteste in den nächsten Wochen dagegen erst richtig los. Der Optimismus der Nürnberger Gruppe »Organisierte Autonome« (OA) hat Gründe. Schon seit dem Frühsommer bereitet die Gruppe zusammen mit dem Nürnberger Sozialforum eine bundesweite Demonstration am 6. November in Nürnberg vor. Die OA organisiert dort einen bundesweiten antikapitalistischen Block, für den sie zur Zeit auf einer Inforundreise im ganzen Bundesgebiet mobilisiert. In der Lebkuchenstadt hat sich die OA eine Basis geschaffen, die auch die immer wiederkehrenden Tiefs sozialer Bewegungen überdauert. Die Wurzeln liegen in der autonomen Bewegung, die bis Ende der 80er Jahre in vielen westdeutschen Großstädten eine nicht unbedeutende Rolle spielte. 1993 hatten sich mehre autonome Gruppen aus Nürnberg zur »Organisierten Autonomie« zusammengeschlossen. Einer der viel diskutierten Fehler der autonomen Bewegung sollte sich dabei nicht wiederholen: Statt sich vor allem auf Szenepolitik zu konzentrieren wollte man fortan stärker gesamtgesellschaftlich wirken. »Von der Basis her, den Betrieben, Stadtteilen, Bildungseinrichtungen« und verbunden über delegierte Räte, heißt es im Selbstverständnis der OA, »werden die Menschen sich direkt verwalten«. Damit das nicht revolutionäre Zukunftsmusik bleibt, steht die Selbstorganisierung der Betroffenen schon heute im Zentrum der Gruppenpraxis. So unterstützt die AO eine Gruppe unabhängiger Erwerbsloser bei ihren wöchentlichen Aktionen gegen Hartz. Ihr Agitationsfeld ist mittlerweile das Arbeitsamt selber geworden. Während die Betroffenen im Foyer und auf den Gängen auf ihre Beratungsgespräche warten, verteilen die OA-Aktivisten Informationsmaterial, klären über die Rechte der Erwerbslosen auf und kündigen die nächsten Aktionen an. »Die Resonanz ist überwiegend positiv und die Menschen hören uns zu«, meint einer aus der Gruppe. Er führt das auch auf die kontinuierliche Arbeit zurück. »Die Menschen sehen, dass wir immer da sind und nicht nur mal kurz auftauchen.« Konzepte wie das der OA werden längst auch in anderen Städten diskutiert. »Bildet Arbeitslosenräte«, heißt beispielsweise ein von dem Berliner Theaterregisseur Antonin Dick verfasster Aufruf, der im Berliner Sozialforum diskutiert wird (www.sozialforum-berlin.de) steht. Nach dem Vorbild der Betriebsräte sollen sich auch die Erwerbslosen organisieren und Mitwirkungsrechte bei der Agentur für Arbeit wahrnehmen sowie bei Konflikten zwischen Erwerbslosen und Beamten mitreden. »Nur die Arbeitslosenräte werden fähig sein, die seit Jahrzehnten gepflegten Vorstellungen von Arbeit und Nichtarbeit, auf denen die gesamte bisherige Demokratie beruht, zu entrümpeln und auf neuen Baustellen der Demokratie das Thema Arbeit neu zu denken und praktisch zu erproben«, so Dick. |