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ND 04.05.04Trotz allem verzweifelte Hoffnung Ein Film erzählt vom Alltagsleben an der israelisch-arabischen Grenze Von Peter Nowak
Route 181 - die alte UNO-Grenzlinie von 1947 zwischen Israel und dem damaligen jordanischen Territorium - haben zwei israelische Filmemacher abgefahren. Entstanden ist ein sehenswerter Film über den Alltag im Grenzgebiet. Der alte Araber lächelt etwas verschmitzt, als er erzählt, wie er dem Staat Israel einige Hektar zusätzliches Land verschaffte. Als 1947 die Grenzen Israels gezogen wurden, sollte das Haus auf israelischer, die Olivenhaine aber auf jordanischer Seite bleiben. So stand es in den Karten und der Beamte ließ sich auf keine Diskussion ein. Als er weg war, wurde die Grenze von der arabischen Familie neu verlegt, so wie sie heute noch verläuft. Die Olivenhaine sind somit auch Teil des israelischen Territoriums. Das ist eine von vielen Szenen, die den Film »Route 181« so sehenswert machen. Zwei israelische Filmemacher haben sich aufgemacht, um die alte UNO-Grenzlinie von 1947 abzufahren. Auf dieser mehrwöchigen Reise filmen sie alle Kontakte, Gespräche und Begegnungen, die dort entstanden sind. Die Filmemacher sind zwar beide israelische Staatsbürger, doch Eyal Sivan ist Jude und Michel Khleifi ist Araber. Beide sind Kritiker der israelischen Regierungspolitik. Immer wieder bringen sie ihre zufälligen israelischen Gesprächspartner mit ihrer oft auch provokanten Fragetechnik ins Grübeln und manchmal auch in Rage. Sie interviewen überzeugte Veteranen des jüdischen Befreiungskampfes vor der Gründung Israel. Die bekennen unumwunden voller Stolz, dass sie nach der Staatsgründung mit dafür gesorgt haben, dass die Araber über die jordanische Grenze flohen und nicht mehr zurückkehrten. Die Filmemacher zeigen den Lebensalltag in dem Grenzgebiet, der bei der medialen Dauerberichterstattung über Gewalt und Terror oft gar nicht mehr ins Blickfeld gerät. Ein Drittel des Filmmaterials zeigt das Leben der Palästinenser unter der Besatzung. Auffällig ist, dass sich die Filmemacher hier mit kritischen Fragen sehr zurückhalten. Die Familie eines Selbstmordattentäters ist gerade obdachlos geworden, weil die israelische Armee ihr Haus zerstörte. Doch die Großmutter ruft voller Hass, auch sie wäre zum Selbstmordattentat bereit. Spätestens hier wäre ein kritisches Hinterfragen angebracht gewesen. Der Film vermittelt keine unmittelbare Botschaft. Aber es ist sicherlich kein Zufall, dass am Ende eine aus Marokko eingewanderte Jüdin zu Wort kommt, die ihre Reise nach Israel inzwischen bereut und mehrmals versichert, dass auf dem Territorium Platz für Juden und Araber sei. Neben den mehrmals gezeigten Aktivisten der Gruppe Taayush, die sich für ein friedliches Zusammenleben zwischen Juden und Arabern einsetzt, zeigen solche Aussagen dass die Kräfte der Vernunft auf beiden Seiten zwar in der Minderheit sein mögen. Aber sie gibt es weiterhin. Das ist in Zeiten, in denen fast täglich von Gewalt berichtet wird, eine erfreuliche Botschaft. Route 181 - Fragmente einer Reise in Palästina, 270 Minuten. Der Film wird seit Anfang Mai in Programmkinos in Berlin, Hamburg und Münster gezeigt. |